Bei ausgewählten Erkrankungen von Gelenken, Sehnen und Muskeln kann PRP die Heilung von geschädigtem Gewebe unterstützen und Schmerzen lindern. Die Wirkung ist je nach Diagnose und Art der Anwendung unterschiedlich.
Bei Verletzung, Überlastung oder Abnützung von Gewebe setzt der Körper Reparaturprozesse in Gang. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Blutplättchen: Sie setzen Wachstumsfaktoren und Stoffe frei, die die Entzündung regulieren. Die PRP-Behandlung nutzt diesen Mechanismus. Das Plasma wird gezielt in Gelenke, Sehnen oder Weichteile verabreicht und kann die Heilung unterstützen sowie Schmerzen und Entzündung lindern.
Wann PRP in Frage kommt
Die meisten Daten gibt es bei Kniearthrose und bei chronischem Fersenschmerz infolge einer Plantarfasziopathie. Bei anderen Erkrankungen von Sehnen und Muskeln, zum Beispiel beim Tennisellenbogen oder bei Beschwerden der Achillessehne, ist der Nutzen weniger sicher, und über die Eignung wird individuell entschieden. Der Arzt beurteilt die Diagnose, die Dauer der Beschwerden und die bisherige Behandlung.
Kniearthrose
Einige klinische Studien und zusammenfassende Analysen zeigen, dass PRP Schmerzen lindern und die Funktion des Knies über mehrere Monate verbessern kann. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 fand im Vergleich zu Placebo eine Schmerzlinderung nach 3 bis 6 Monaten, einen Nutzen nach 12 Monaten bestätigte sie jedoch nicht. Die hochwertige RESTORE-Studie fand nach einem Jahr keinen signifikanten Unterschied gegenüber Placebo, weder bei den Schmerzen noch beim Knorpelverlust. PRP ist daher keine nachgewiesene Methode, um Knorpel wiederherzustellen oder eine Arthrose aufzuhalten.
Chronischer Fersenschmerz bei Plantarfasziopathie
Bei langandauernder Schädigung der Plantarfaszie liegen günstige Daten zur Schmerzlinderung vor. Zusammenfassende Analysen berichten über bessere Ergebnisse als bei Kortisoninjektionen, vor allem mittelfristig. Die Ergebnisse zur Funktion des Fußes sind weniger einheitlich.
Bei Operationen an der Rotatorenmanschette der Schulter
PRP mit niedrigem Gehalt an weißen Blutkörperchen kann als Ergänzung zur chirurgischen Rekonstruktion der Rotatorenmanschette die Heilung – das Einheilen der Sehne am Knochen – unterstützen und so das Risiko eines erneuten Sehnenrisses senken. Dieses Ergebnis betrifft PRP, das während der Operation eingesetzt wurde, und lässt sich nicht automatisch auf ambulante Injektionen in die Schulter übertragen. Die Unterschiede bei Schmerzen und Funktion waren gering.
Wo der Nutzen nicht verlässlich belegt ist
Hochwertige Studien haben keinen klinisch bedeutsamen Nutzen gegenüber Placebo bestätigt: beim Tennisellenbogen, bei der chronischen Erkrankung des mittleren Abschnitts der Achillessehne, bei der Erkrankung der Patellasehne bei einer einzelnen Injektion zusammen mit Rehabilitation sowie bei der Sprunggelenksarthrose. Bei Hüftarthrose und bei Schmerzen an der Außenseite der Hüfte (Trochanter-Schmerzsyndrom) ist die Datenlage begrenzt oder widersprüchlich.
Ablauf der Behandlung
Nach dem Beratungsgespräch und der Untersuchung wird Blut abgenommen, in der Zentrifuge das Plasma aufbereitet und in den betroffenen Bereich verabreicht. Meist ist eine Behandlungsserie sinnvoll; Anzahl und Abstände legt der Arzt fest.
Was Sie von der Behandlung erwarten können
Ziel ist bei ausgewählten Diagnosen die Unterstützung der Heilung, die Linderung von Schmerzen und die Verbesserung der Funktion. Eine Linderung der Beschwerden bedeutet jedoch weder eine Wiederherstellung des Knorpels noch eine vollständige Ausheilung des geschädigten Gewebes. PRP-Präparate unterscheiden sich in der Konzentration der Blutplättchen, im Gehalt an weißen Blutkörperchen, in der Anzahl der Anwendungen und in der Art der Verabreichung; daher kann man nicht von jeder als PRP bezeichneten Behandlung dasselbe Ergebnis erwarten. Ein bestimmtes Ergebnis kann nicht garantiert werden.
Wann die Behandlung verschoben oder nicht durchgeführt werden sollte
Bei akuter Infektion oder Fieber, bei Entzündung oder Verletzung der Haut an der Einstichstelle, bei schweren Störungen der Blutgerinnung und der Blutplättchen, bei schwerer Blutarmut, bei einer aktiven Krebserkrankung und in der Schwangerschaft. Bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, zum Beispiel rheumatoider Arthritis oder Gicht, wird zuerst die Grunderkrankung behandelt. Wenn Sie in den letzten Wochen eine Kortisoninjektion an derselben Stelle erhalten haben, teilen Sie dies dem Arzt mit.
Wichtig für Ihre Sicherheit
Risiken und Erholung
Nach der Behandlung können vorübergehend Rötung, Schmerzen oder Schwellung an der Einstichstelle sowie Blutergüsse auftreten. Nach einer Verabreichung ins Gelenk können Schmerzen und Schwellung einige Tage anhalten. Eine Infektion, insbesondere eine Gelenkinfektion, ist selten, aber schwerwiegend – bei Fieber, zunehmenden Schmerzen, Rötung oder Überwärmung des Gelenks melden Sie sich bitte sofort. Schränken Sie die Belastung in den ersten Tagen nach den Anweisungen des Arztes ein. Teilen Sie vor der Behandlung alle Medikamente mit, insbesondere blutverdünnende Medikamente – setzen Sie diese jedoch niemals eigenmächtig ab. Einzelheiten finden Sie im Abschnitt Sicherheit bei PRP und PRF.
Alternativen
Je nach Diagnose kommen gezieltes Training und Physiotherapie, eine Anpassung der Belastung, bei Kniearthrose auch eine Gewichtsreduktion, Medikamente gegen Schmerzen und Entzündung, bei manchen Sehnenerkrankungen eine Stoßwellentherapie, Injektionen von Kortison oder Hyaluronsäure und bei fortgeschrittener Schädigung eine operative Behandlung in Frage. PRP kann eine Ergänzung, aber kein Ersatz für Training und Rehabilitation sein. Eine Möglichkeit ist auch, auf die Behandlung zu verzichten.
Im Beratungsgespräch klären wir, was Sie verbessern möchten, Ihren Gesundheitszustand und ob die Methode für Sie geeignet ist. Beratung und Aufklärung erfolgen online per Videosprechstunde. Eine Terminvereinbarung ist keine Zustimmung zur Behandlung.